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KI-Strategie: Warum «Use AI» keine Strategie ist und wie messbarer Business Impact entsteht

Ich schreibe diesen Artikel aus Boston. Diese Woche bin ich an der UNBOUND 2026 (ehemals INBOUND), der Jahreskonferenz von HubSpot, und habe dort ein Referat mit dem Titel «AI is not a strategy» gehört. Britney Cole, Chief Innovation Officer beim Führungsentwicklungs-Unternehmen Blanchard, sprach darüber, warum so viele KI-Initiativen in Unternehmen keinen messbaren Effekt erzeugen und was die erfolgreichen anders machen. Für mich war es eines der spannendsten Referate der Konferenz, und die Impulse daraus will ich unbedingt mit unserer Community in der Schweiz teilen.

KI-Strategie: Warum «Use AI» keine Strategie ist und wie messbarer Business Impact entsteht
15:34

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Das Thema betrifft uns gerade alle. Es gibt kaum ein Unternehmen, in dem KI nicht diskutiert wird, in der Geschäftsleitung, im Verkauf, am Mittagstisch. Fast überall wird bereits experimentiert, und vieles davon spart tatsächlich Zeit. Doch zwischen «wir arbeiten gleich wie vorher, einfach schneller» und «wir arbeiten anders und sehen es im Geschäftsergebnis» liegt der eigentliche Unterschied. Genau dafür liefert Coles Modell die klarste Antwort, die ich seit langem gehört habe.

Auf einen Blick

  • «Use AI» ist keine Strategie. Wirkung entsteht aus der Kombination von KI, verändertem Prozess, verändertem Verhalten und einem messbaren Business Outcome.

  • Zugang zu Tools bedeutet noch keine Nutzung. Die Lücke zwischen beidem ist heute das grösste Hindernis.

  • Der Startpunkt ist ein konkretes Geschäftsergebnis mit Baseline, Zielwert und Hypothese, kein Tool.

  • Erfolg misst sich an bewegten Business-KPIs, nicht an der Anzahl Prompts oder Agenten.



Warum ist «Use AI» keine Strategie?

Weil ein Tool allein noch nichts am Geschäftsergebnis ändert. Cole brachte es in einem Satz auf den Punkt: «AI adoption is a behavior change problem in a technology costume.» KI-Einführung sieht aus wie ein Technologieprojekt, in Wirklichkeit geht es darum, wie Menschen ihre Arbeitsweise verändern.

Cole unterscheidet drei Fragen. Welches Tool setzen wir ein? Welchen Prozess verändert es? Und wissen die Menschen, wie sie damit arbeiten sollen? Die meisten Unternehmen investieren fast ihre ganze Energie in die erste Frage. Der Business Impact entsteht aber durch die zweite und dritte.

Dazu kommt ein praktischer Grund, tool-agnostisch zu denken. Die KI-Tools von heute sind in sechs oder zwölf Monaten massiv besser. Wer seine Strategie um ein bestimmtes Modell oder Feature herum baut, baut auf Sand. Wer sie um Geschäftsergebnisse und Prozesse herum baut, kann Tools austauschen, ohne von vorne zu beginnen.

Was bedeutet «Access is not adoption»?

Zugang zu KI ist heute Standard, konsequente Nutzung ist es nicht. Cole zeigte in Boston Zahlen aus der Blanchard-Forschung. Über 80 Prozent der Mitarbeitenden haben Zugang zu KI-Tools am Arbeitsplatz, aber nur gut ein Drittel arbeitet täglich damit.

Die aufschlussreichste Zahl ist eine andere. Fast 60 Prozent verstecken ihre KI-Nutzung zumindest teilweise. Übersetzt in den Alltag eines Schweizer KMU heisst das, der Verkäufer lässt sich Offerttexte von ChatGPT vorformulieren und erwähnt es in keiner Sitzung. Die Marketingfachfrau hat einen Prompt gebaut, der ihre Produktbeschreibungen in der halben Zeit erstellt, und behält ihn für sich. Gleichzeitig bleiben die offiziellen KI-Lizenzen, die das Unternehmen bezahlt, weitgehend ungenutzt. Die wirkungsvollste KI-Arbeit findet im Verborgenen statt, oft über private Accounts, ohne Datenschutz-Leitplanken, und niemand im Team kann davon lernen. Die Lücke zwischen Zugang und Nutzung kostet damit gleich dreifach. Bezahlte, aber ungenutzte Tools. Unkontrollierte Datenflüsse. Und Wissen, das in einzelnen Köpfen bleibt statt zum Standard zu werden.

Warum verstecken Menschen etwas, das ihre Arbeit besser macht? Coles Antwort darauf fand ich den stärksten Teil des Referats. Adoption setzt Vertrauen voraus, und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Kann ich dem System vertrauen, stimmt der Output? Kann ich den Regeln vertrauen, weiss ich, welche Tools und welche Daten erlaubt sind? Kann ich meiner Organisation vertrauen, was bedeutet KI für meine Rolle? Bleibt auch nur eine dieser Fragen offen, entsteht Unsicherheit. Und unsichere Menschen experimentieren still oder gar nicht. Unklare Regeln sind damit mehr als ein Compliance-Risiko, sie bremsen die Adoption direkt.

Die grösste offene Frage sitzt dabei oft in der Geschäftsleitung selbst, ohne dass sie es merkt. 87 Prozent der Führungskräfte glauben laut den von Cole präsentierten Zahlen, gute KI-Nutzung vorzuleben. Bei den Mitarbeitenden kommen davon 54 Prozent an. Wer KI-Nutzung einfordert, aber nie zeigt, wie er selbst damit arbeitet und woran er ein gutes Resultat erkennt, sendet ein doppeltes Signal. Offiziell ist KI erwünscht, faktisch bleibt unklar, ob ihre Nutzung als Kompetenz oder als Abkürzung gilt. Genau in dieser Grauzone entsteht das Verstecken. In einer Blanchard-Umfrage berichteten 43 Prozent der Befragten von problematischen KI-Verhaltensweisen im Arbeitsalltag, von stiller Bewertung von Kolleginnen bis zu verdeckter Nutzung, ein Muster, das die Forscher als «AI Shadow Culture» beschreiben. Vor deren Normalisierung warnen sie ausdrücklich, denn was zur Gewohnheit geworden ist, lässt sich nur schwer korrigieren.

Der Befund ist unbequem, aber seine Ursache ist eine gute Nachricht. Die Lücke ist kein Technologieproblem und kein Budgetproblem. Sie schliesst sich mit Dingen, die wenig kosten und schnell umsetzbar sind, mit klaren Regeln, welche Tools für welche Daten erlaubt sind, mit Führungskräften, die ihre eigene KI-Nutzung offen zeigen, und mit einem definierten Verständnis davon, was ein gutes Resultat ist. Wer das ernst nimmt, holt sich einen Vorsprung, den die Konkurrenz mit keinem Toolkauf aufholen erungskette aufbauen, die in der Praxis so aussieht.

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Wie starten Sie richtig? Mit dem Business Outcome, nicht mit dem Tool

Richtig starten heisst, zuerst festlegen, welches Geschäftsergebnis sich verbessern soll. Die Tool-Frage kommt danach. Cole beobachtet in vielen Unternehmen die umgekehrte Reihenfolge. Teams bauen drauflos, ein Chatbot hier, ein Agent dort, und nach ein paar Monaten existiert vieles, aber nichts davon hat eine Zahl im Geschäft bewegt.

Das richtige Geschäftsergebnis finden Sie dort, wo es heute weh tut. Drei Beispielfragen für die nächste Geschäftsleitungssitzung. Wo verlieren wir Aufträge, obwohl das Interesse da war? Welcher Ablauf dauert deutlich länger, als er müsste? Welche Routinearbeit hält unsere besten Leute von den Kunden fern? Jede ehrliche Antwort ist ein möglicher Startpunkt.

Für den gewählten Bereich halten Sie vier Angaben fest:

Baseline.
Wo stehen wir heute, in Zahlen?
Zielwert.
Wo wollen wir hin, bis wann?
Hypothese.

Warum glauben wir, dass diese Veränderung das Ergebnis verbessert?

Verantwortung.

Wer treibt das Vorhaben, und wessen Arbeit verändert sich?

So sieht das konkret aus. Ein Schweizer Industrieunternehmen gewinnt heute rund jede fünfte Offerte. Die Auswertung zeigt, Nachfassungen erfolgen im Schnitt erst nach sechs Wochen, ein Drittel der Offerten wird nie nachgefasst. Das ist die Baseline. Das Ziel lautet, jede Offerte innert fünf Arbeitstagen nachzufassen und die Abschlussquote in sechs Monaten von 20 auf 25 Prozent zu heben. Die Hypothese dahinter ist einfach. Kunden vergleichen meist zwei bis drei Anbieter und entscheiden in den ersten Wochen nach Offerteingang. Wer in diesem Fenster präsent ist, gewinnt öfter. Verantwortlich ist der Verkaufsleiter, verändern wird sich die Arbeit seiner fünf Aussendienstmitarbeitenden. Erst jetzt stellt sich die Frage, wo CRM und KI helfen.

Diese vier Angaben passen auf eine A4-Seite und machen aus einem vagen KI-Vorhaben ein führbares Projekt.

Wie kommt KI sinnvoll in den Prozess?

KI schafft Wert, wenn ein Mitarbeitender wegen ihr etwas anderes tut als bisher. Cole formuliert es so: «AI only creates value when it changes the next action.» Eine KI, die jedes Verkaufsgespräch sauber zusammenfasst, klingt nützlich. Liegt die Zusammenfassung aber ungelesen im CRM und der Verkäufer arbeitet weiter wie bisher, hat sich nichts verändert. Viel KI, null Wirkung.

Zurück zum Offert-Beispiel. Dort heisst die nächste Aktion Nachfassen, und heute passiert sie nach sechs Wochen oder gar nicht. Im neuen Prozess erstellt die KI am fünften Tag nach Offertversand automatisch einen Anrufvorschlag mit den wichtigsten Punkten aus Offerte und Kundenhistorie. Der Verkäufer greift zum Telefon. Aus «bleibt liegen» wird «wird angerufen». Diese veränderte Aktion bewegt die Abschlussquote, nicht die KI selbst.

Damit das über das ganze Team funktioniert, braucht es noch eine zweite Zutat, einen Qualitätsstandard. Cole erlebte in der eigenen Organisation, was ohne ihn passiert. Sales-Mitarbeitende sollten KI für Follow-ups nutzen. Einige machten es hervorragend, andere schickten vier Seiten Text, die kein Kunde lesen wollte. Das Problem war nicht die KI, es fehlte die Definition, wie ein gutes Follow-up aussieht. Wie lang, was muss drinstehen, was interessiert den Kunden. Steht dieser Standard, prüft der Verkäufer jeden KI-Entwurf dagegen, passt an und sendet. So liefert das ganze Team konstant gute Qualität, nicht nur die zwei besten Verkäufer.

Wichtig dabei, Cole argumentiert nicht für maximale Automatisierung. Im Prozess muss definiert sein, wo KI arbeitet, wo ein Mensch entscheidet und wer die Qualität verantwortet. Ihre Formulierung dazu habe ich mir notiert: «‹AI did it› is never going to be okay.» Verantwortung bleibt beim Menschen. Für Schweizer Unternehmen kommt der Datenschutz dazu, weshalb wir mit CompanyGPT eine kontrollierte Unternehmensumgebung anbieten, in der genau diese Leitplanken eingebaut sind.

Wie werden aus verteilten Lizenzen echte Nutzer?

Durch Befähigung, nicht durch Rollout. Eine Lizenz zu verteilen ist einfach, Verhalten zu verändern ist Führungsarbeit. Cole verbindet das mit Situational Leadership. Menschen stehen bei neuen Aufgaben auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen und brauchen unterschiedlich viel Orientierung und Unterstützung. Ein KI-Anfänger braucht konkretere Anleitung als eine erfahrene Nutzerin. Meet people where they are.

Dass sich das auszahlt, ist messbar. Gallup fand heraus, dass Mitarbeitende mit klar wahrgenommener Unterstützung ihrer Führungskraft doppelt so häufig regelmässig mit KI arbeiten.

Ein Tipp von Cole gefällt mir besonders, weil er sofort umsetzbar ist. In den meisten Organisationen gibt es 5 bis 8 Prozent echte High Performer, die oft selbst nicht erklären können, warum sie so gut sind. Beobachten Sie diese Menschen. Wie organisieren sie ihren Tag, wie bearbeiten sie eine Opportunity, wie setzen sie KI ein? Dieses Verhalten wird zum Ausgangspunkt für einen besseren Standard im ganzen Team. Wie eine Organisation diese Fähigkeit systematisch aufbaut, beschreiben wir im Whitepaper zur Inhouse Marketing & Sales KI-Factory.

 

Was habe ich sonst noch aus Boston mitgenommen?

Einiges mehr, als in einen Artikel passt. Wenn Sie wissen möchten, welche Trends, Insights und Impulse von der UNBOUND 2026 für Ihr Unternehmen relevant sind, lade ich Sie herzlich auf ein Pain au Chocolat und einen Kaffee zu uns nach Biel ein. Schreiben Sie mir eine Mail mit zwei, drei Terminvorschlägen, ich freue mich auf den Austausch.


Inspirierte Grüsse aus Boston,
Andrea B. Roch

Häufige Fragen zu KI-Strategie und Business Impact

 

Warum erzielen die meisten KI-Projekte keinen messbaren Geschäftswert?

Die meisten KI-Projekte starten beim Tool statt beim Geschäftsergebnis. Laut der MIT-Studie «The GenAI Divide» bleiben 95 Prozent der untersuchten GenAI-Projekte ohne messbaren Ertrag. Erfolgreiche Projekte definieren zuerst einen Business-KPI mit Baseline und Zielwert und verändern dann einen konkreten Arbeitsablauf.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Zugang und KI-Adoption?

KI-Zugang bedeutet, dass ein Tool verfügbar ist. KI-Adoption bedeutet, dass Menschen damit anders und besser arbeiten als vorher. Nach den von Britney Cole an der UNBOUND 2026 präsentierten Blanchard-Zahlen haben über 80 Prozent der Mitarbeitenden Zugang zu KI-Tools, aber nur gut ein Drittel nutzt sie täglich.

Warum verstecken Mitarbeitende ihre KI-Nutzung?

Mitarbeitende verstecken ihre KI-Nutzung, wenn unklar ist, welche Tools und Daten erlaubt sind und ob KI im Unternehmen als Kompetenz oder als Abkürzung gilt. Laut Blanchard-Forschung betrifft das fast 60 Prozent. Klare Regeln und Führungskräfte, die ihre eigene KI-Nutzung offen zeigen, lösen das Problem.

Wie misst man den Erfolg von KI im Unternehmen?

Der Erfolg von KI misst sich an der Veränderung eines vorher definierten Geschäfts-KPI, etwa Abschlussquote, Pipeline, Leads oder Kosten pro Vorgang. Kennzahlen wie Anzahl Prompts, Logins oder aktive User messen nur Aktivität, keinen Business Impact.

Wie verbessert KI die Customer Journey?

KI verbessert die Customer Journey dort, wo sie an einem konkreten Kontaktpunkt eine Aktion verändert, etwa wenn eine Offerte innert Tagen statt Wochen nachgefasst wird, eine Serviceanfrage sofort eine qualifizierte Antwort erhält oder ein Angebot zur tatsächlichen Situation des Kunden passt. Der Massstab ist das Kundenerlebnis entlang der gesamten Journey, nicht die Anzahl der KI-Tools dahinter.

Wie hilft KI, mehr Aufträge zu gewinnen?

KI hilft dann, mehr Aufträge zu gewinnen, wenn sie dem Verkaufsteam Administration abnimmt und es an den entscheidenden Stellen konsequenter macht. Die an der UNBOUND 2026 vorgestellten Funktionen zeigen, wohin die Reise geht. Das CRM erfasst Anrufe, E-Mails und Meetings automatisch, KI-Agenten bereiten Termine mit dem relevanten Kundenkontext vor, schlagen nach jedem Gespräch die nächsten Schritte vor und erkennen Firmen mit Kaufabsicht. Der Verkäufer verbringt so weniger Zeit mit Dateneingabe und mehr Zeit beim Kunden. Den Abschluss macht weiterhin der Mensch. KI sorgt dafür, dass er öfter zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Was ist der beste erste Schritt für ein KMU vor einer CRM- oder KI-Einführung?

Der beste erste Schritt ist, einen einzigen Geschäftsbereich zu wählen und dort Business-KPI, Baseline und Hypothese festzulegen. Danach folgen die Analyse des betroffenen Prozesses, ein Pilot und die Messung des Effekts. Nur was nachweislich wirkt, wird standardisiert und skaliert.

Muss jeder Mitarbeitende KI-Agenten bauen können?

Nein, nicht jeder Mitarbeitende muss KI-Agenten bauen können. Einige nutzen KI im Alltag, andere bauen Agenten und Automatisierungen, wieder andere verantworten Strategie, Qualität und Entscheidungen. Aufgabe der Geschäftsleitung ist es, Outcomes zu definieren und die richtigen Menschen zu befähigen.

Was bedeutet «Go slow to go fast» in der KI-Einführung?

«Go slow to go fast» bedeutet, zuerst sauber zu definieren, dann klein zu testen, zu messen und zu entscheiden, bevor skaliert wird. Das wirkt langsamer, führt aber schneller zu wiederholbarem, messbarem Business Impact als viele parallele Experimente ohne KPI.

Quellen

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