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HubSpot oder Creatio: Welche CRM-Plattform passt zu Ihrem Unternehmen?

Geschrieben von Andrea B. Roch | 05. August 2026

Was unterscheidet HubSpot und Creatio grundsätzlich?

Der Unterschied entscheidet sich vor dem ersten Feature:

Beide Anbieter decken den Kundenlebenszyklus von Marketing über Vertrieb bis Service vollständig ab, und beide liefern einsatzbereite KI-Agenten für Vertrieb, Marketing und Service mit. Die Unterschiede liegen in der Tiefe einzelner Disziplinen.

Bei beiden gleichwertig und für Schweizer Unternehmen relevant: Mehrsprachigkeit, Mehrwährungsfähigkeit und rollenbasierte Zugriffsrechte gehören bei beiden Plattformen zum Standard.

Ein Punkt, der oft erst spät auffällt: HubSpot kennt ab Werk Kontakte, Unternehmen, Verkaufschancen und Tickets. Muss Ihr Geschäft zusätzlich etwas verwalten, das in dieser Liste nicht vorkommt, etwa Maschinen, Verträge, Liegenschaften oder Fahrzeuge, brauchen Sie dafür einen eigenen Datentyp. HubSpot bietet das an, aber erst in der höchsten Ausbaustufe Enterprise. Bei Creatio gehört das unabhängig vom gewählten Paket zum Lieferumfang.

Creatio bietet die technisch mächtigere Prozess-Engine, HubSpot die schnellere Umsetzung von KI-gestützten Automationen entlang der Customer Journey.

HubSpot arbeitet mit einem Workflow-Tool, das Trigger, Verzweigungen, Verzögerungen, Bewertungen und Datenoperationen abbildet. Über Data Hub, früher Operations Hub, lassen sich Custom-Code-Aktionen, Datenqualitätsregeln und Webhooks ergänzen. Zwei Neuerungen aus 2026 sind für den Alltag relevant: Breeze, die eingebaute KI, erstellt Abläufe aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache und zeigt sie vor der Übernahme als Vorschau. Und die Workflow-Aktion "Run Agent" stösst KI-Agenten aus einem Workflow heraus an, etwa bei einem Wechsel der Deal-Phase.

Creatio setzt auf einen vollwertigen Prozessdesigner nach BPMN, einem herstellerunabhängigen Standard mit einheitlichen Symbolen für Start, Aufgabe, Entscheidung, Zuständigkeit und Ende. Ergänzt wird das durch dynamisches Case Management für Abläufe, die sich nicht linear modellieren lassen. Im Unlimited-Plan wirbt Creatio mit unbegrenzten Workflows, Anwendungen, Datentypen und Schnittstellenaufrufen.

Prozessdokumentation, Genehmigungen, Fristenüberwachung und systemübergreifende Abläufe beherrschen beide Plattformen. Der Unterschied liegt darin, wie sie entstehen.

Einordnung für die Praxis: Der gesamte Kundenlebenszyklus liegt bei HubSpot auf einer Datenbasis. Lead-Nurturing, Lead-Routing, Deal-Automation, Angebotsfreigaben und Serviceeskalationen laufen deshalb ohne Integrationsaufwand über Marketing, Vertrieb und Service hinweg, und mit Breeze entstehen sie zunehmend aus einer Beschreibung statt aus Konfigurationsarbeit. Auch die Anbindung an ERP-, Finanz- oder Logistiksysteme ist gelöst, über Webhooks und rund 2'000 fertige Integrationen aus dem Marketplace.

Die relevante Grenze verläuft deshalb nicht bei der Anzahl beteiligter Abteilungen, sondern beim Gegenstand des Prozesses. Sobald Abläufe nicht mehr die Kundenbeziehung betreffen, sondern etwa Produktion, Beschaffung, Personal oder Dossierbearbeitung, verlässt man das Feld, für das HubSpot gebaut ist. Dort spielt Creatio seine Architektur aus, weil sich solche Anwendungen auf derselben Plattform modellieren lassen wie das CRM.

Bei einfachen Feldern und Standardautomationen ist HubSpot eigenständiger, bei tiefen Prozessen und eigenen Datenstrukturen ist es Creatio. Entscheidend ist, ob eine Änderung nur die Oberfläche betrifft oder die Struktur dahinter.

In HubSpot legt eine Person mit Adminrechten ein Feld in unter einer Minute an, sofort nutzbar und
ohne Eingriff in die Systemlogik. Grenzen gibt es, aber sie sind grosszügig: rund 1'000 eigene Felder
pro Datentyp.

Bei Creatio ist ein Feld mehr als eine Anzeige. Legen Sie eines an, verändern Sie damit auch die Datenstruktur dahinter. Das ist mächtiger, weil Sie das Modell selbst formen statt es nur zu füllen, und es hat zugleich mehr Gewicht. Creatio weist in der eigenen Dokumentation darauf hin, dass solche Eingriffe das Systemverhalten beeinflussen können und deshalb in einer separaten Testumgebung erfolgen sollten.

In HubSpot ist das Bauen einfach, die Obergrenze klar beziffert: bis zu 1'000 Workflows in der Enterprise-Stufe, dazu Grenzen wie maximal 20 Verzweigungen pro Entscheidungspunkt.

Bei Creatio bauen Fachbereiche Prozesse in einem visuellen Designer. Regeln lassen sich zentral am Datentyp hinterlegen und wirken dann automatisch überall dort, wo dieser Datentyp verwendet wird. Creatio formuliert den Anspruch so, dass Fachleute mit Prozessverständnis ohne Entwickler auskommen.

Auch HubSpot bietet Testumgebungen, und für grössere Umbauten sind sie die empfohlene Praxis: Eine Sandbox übernimmt Datentypen, Felddefinitionen, Pipelines und die meisten Workflows aus dem Produktivsystem, allerdings ohne die Datensätze selbst. Neu in der Sandbox erstellte Elemente lassen sich anschliessend ins Produktivsystem übertragen, Änderungen an bereits bestehenden dagegen nicht; die werden dort direkt nachgezogen. Sandboxes sind Teil der Enterprise-Stufe. 

Der Punkt ist deshalb nicht, dass HubSpot keine Testumgebung kennt, sondern dass sie für alltägliche Anpassungen nicht nötig ist. Ein neues Feld, eine geänderte Auswahlliste oder ein zusätzlicher Workflow entstehen direkt im laufenden System. Bei Creatio sind getrennte Umgebungen für Entwicklung, Test und Betrieb vorgesehen, Änderungen im Produktivsystem sind ausdrücklich untersagt, und Anpassungen werden gebündelt und versioniert verwaltet, damit nachvollziehbar bleibt, wer wann was geändert hat. Das ist saubere Praxis, verlangt aber durchgehend Disziplin und eine verantwortliche Rolle.

Ein Signal aus den Bewertungen passt dazu: Auf G2 liegt Creatio bei der Bedienbarkeit bei rund 9.1 von 10, bei der Einrichtung aber nur bei 8.3 bis 8.4. Die Lücke beschreibt den Unterschied zwischen "gut bedienbar, wenn eingerichtet" und "selbst einrichtbar". Und Creatio dokumentiert selbst, wo die visuellen Werkzeuge enden: Dann wird die Logik im Quellcode ergänzt.

Dieser Abschnitt geht technisch tiefer und richtet sich an IT-Verantwortliche. Kurz zusammengefasst: Bei standardisierten Oberflächenerweiterungen liegt HubSpot vorn, beim Umbau der Oberfläche selbst Creatio.

Custom Cards, technisch App Cards über HubSpot UI Extensions, sind standardkonforme Erweiterungen innerhalb der Plattform, keine Eigenentwicklung daneben. Das ist der entscheidende Unterschied zu klassischem Customizing: Sie bleiben im Standard, Updates greifen weiterhin, und die Wartung bleibt kalkulierbar.

Technisch sind es React-Komponenten, die HubSpot innerhalb der eigenen Oberfläche darstellt, kein eingebetteter Fremdinhalt und kein Popup, sondern echte Komponenten auf Basis des HubSpot-Design-Systems, betrieben auf HubSpot-Infrastruktur und angebunden an Ihr eigenes Backend. Entwickelt wird lokal über die CLI, wobei der Entwicklungsserver Änderungen ohne Neuladen übernimmt.

Erscheinen können sie in der Kunden-, Unternehmens-, Deal- und Ticketansicht sowie im Service-Bereich, dazu in der Vorschau-Seitenleiste und in der Konfigurationsoberfläche eigener Workflow-Aktionen. Im Spring-2026-Release kamen App Pages hinzu, also vollflächige, mehrseitige Anwendungen direkt in HubSpot mit eigener Navigation und Datenanbindung. Serverless Functions sind in der Developer Platform 2026.03 zurück und über App Cards, App Pages und App Settings verfügbar, ergänzt um einen Developer-MCP-Server.

Zur Lizenzfrage: Seit November 2024 können alle Enterprise-Kunden eigene Custom Cards bauen, unabhängig vom Hub.

Ein Punkt, der in Vergleichen oft fehlt: Externe Inhalte lassen sich auf Dashboards ohne Entwicklerbeteiligung einbetten, ab der Professional-Stufe.

Creatio hat kein Card-Konzept, weil die Architektur keines benötigt. Statt eine Erweiterung neben die Oberfläche zu setzen, verändern Sie die Oberfläche selbst im Freedom UI Designer. Für externe Inhalte gibt es seit Version 8.3.3 eine iFrame-Komponente, mit der sich Fremdsysteme ohne Custom Development in Freedom-UI-Seiten einbetten lassen, inklusive Zugriffsberechtigungen ohne Code. Für echte native Komponenten nutzt Creatio Remote Modules auf Basis des Module-Federation-Prinzips, empfohlen mit Angular, entwickelt in einem eigenen npm-Paket mit externer IDE. Lokal steht dabei die gewohnte Live-Aktualisierung der Angular-Werkzeuge zur Verfügung; für die Anzeige in Creatio braucht es einen Build- und Einbindungsschritt im Quellcode der Freedom-UI-Seite.

Die Einschränkung gehört dazu: Eine Custom Card ist eine zusätzliche Kachel, kein Ersatz für Standardverhalten. Sie holt ERP-Daten, Verfügbarkeiten, Scorings oder Servicehistorien in den Datensatz. Sie ändert nicht, wie der Datensatz selbst funktioniert. Genau das kann Creatio, weil dort keine Grenze zwischen Kern und Erweiterung existiert.

Für die meisten Schweizer Mittelstandsprojekte ist der HubSpot-Ansatz der praktisch relevantere, weil der Bedarf fast immer "zusätzliche Information am Kontakt" lautet und selten "andere Kontaktlogik", und weil viele dieser Anforderungen über eine bestehende Marketplace-App ohne eine Zeile Code gelöst sind.

Beide Plattformen haben KI 2025 und 2026 vom Zusatzfeature zum Architekturbestandteil gemacht, verfolgen dabei aber unterschiedliche Ansätze.

Beide liefern einsatzbereite Agenten mit, und beide erlauben inzwischen den Bau eigener.

HubSpot deckt den Kundenlebenszyklus mit Customer Agent, Prospecting Agent, Data Agent und Content Agent ab, ergänzt um Agenten aus dem Breeze Marketplace, unter anderem für Unternehmensrecherche, Kundenzustand, Verlustanalyse von Deals, Übergaben zwischen KI und Mitarbeitenden sowie Ausschreibungsbearbeitung. Eigene Agenten entstehen seit Juli 2026 im Agent Builder. Zwei Punkte sind praktisch relevant: Der Assistent selbst ist in allen Ausbaustufen enthalten, und die Agenten greifen ohne Integrationsarbeit auf die bestehende Kundendatenbasis zu.

Creatio führt eine vergleichbare Bibliothek für Vertrieb, Marketing und Service, wobei die verfügbaren Agenten davon abhängen, welche Anwendungen installiert sind. Ergänzend gibt es Agenten von Partnern über den Creatio Marketplace. Eigene Agenten entstehen im No-Code Agent Builder und können auch auf selbst definierten Datentypen arbeiten.

Der Unterschied liegt damit weniger im Angebot als im Zuschnitt. HubSpot koppelt Agenten an messbare Ergebnisse und rechnet teilweise pro gelöstem Fall ab, was den Nutzen unmittelbar überprüfbar macht, und bündelt Aufbau, Überwachung und Zusammenspiel im Agent Hub. Auch eigene Sprachmodelle lassen sich einbinden: Eine Workflow-Aktion verbindet HubSpot über den eigenen Zugang mit OpenAI, Anthropic, Google, Cohere oder xAI, wobei Modell und Parameter frei wählbar sind und die Verarbeitung direkt beim Anbieter stattfindet. Creatio geht hier einen Schritt weiter, weil sich das Modell dort auch für die Agenten selbst festlegen lässt und Agenten auf selbst definierten Datentypen arbeiten können, verlangt dafür aber mehr Konfigurationsarbeit. Gartner nannte 2025 unter den Vorbehalten zu Creatio ausdrücklich den manuellen Konfigurationsaufwand im Bereich generative KI.

Keiner der beiden Anbieter entwickelt eigene Sprachmodelle; beide greifen auf Modelle externer Anbieter zurück. Entscheidend ist deshalb die Schicht darum herum. Bei HubSpot ziehen die Agenten nur die Daten heran, die für die konkrete Aufgabe nötig sind, aus dem CRM, angebundenen Wissensdatenbanken und ausdrücklich freigegebenen Quellen. Die Daten werden temporär zur Verarbeitung übermittelt, nicht dauerhaft beim Modellanbieter gespeichert und nicht für dessen Training verwendet. Ihr Unternehmen bleibt Verantwortlicher, HubSpot handelt als Auftragsverarbeiter, und die Agenten unterliegen denselben Rollen und Berechtigungen wie der Rest der Plattform. Wie das im Detail geregelt ist, haben wir in einem eigenen Beitrag zu Sicherheit und Datenschutz bei KI-Agenten aufgeschlüsselt. Creatio bietet zusätzlich die Möglichkeit, Modelle im eigenen Rechenzentrum zu betreiben, womit die Verarbeitung Ihr Haus gar nicht erst verlässt. Für die meisten Unternehmen genügt die vertragliche Absicherung; wo Datenhoheit vertraglich zugesichert werden muss, ist der Eigenbetrieb das stärkere Argument.

Creatio erhält im Durchschnitt die höheren Bewertungen, HubSpot die deutlich breitere Bewertungsbasis. Im deutschsprachigen Raum kehrt sich das Bild zusätzlich, weil Creatio dort kaum bewertet wird.

 

Beide Plattformen skalieren, aber entlang unterschiedlicher Achsen.

HubSpot skaliert über Ausbaustufen und Nutzertypen. Der Weg führt von Professional zu Enterprise, wobei Marketing Hub zusätzlich über die Anzahl aktiv beworbener Kontakte skaliert. Nutzende, die nur mitlesen sollen, kosten nichts, was bei wachsenden Organisationen einen spürbaren Unterschied macht.

Creatio skaliert über die gewählte Plattformstufe. Seit Mai 2026 gibt es zusätzlich ein Unlimited-Modell, bei dem der Preis nicht mehr an der Zahl der Nutzenden hängt, sondern für die gesamte Organisation gilt. Gerade für Konzerne und grosse Organisationen ist das ein wichtiger Unterschied: Zusätzliche Mitarbeitende oder KI-Agenten im System erhöhen die Lizenzkosten nicht, was die Planung über mehrere Jahre vereinfacht.

Für Schweizer Unternehmen stellt sich die Frage der Skalierung selten technisch, sondern organisatorisch. Nicht "Wie viele Nutzende verträgt das System?" ist entscheidend, sondern: Wie viele Menschen arbeiten wirklich täglich damit, wie sauber bleiben die Daten bei wachsender Nutzung, und wer betreut die Weiterentwicklung? In den Grössenordnungen, in denen Schweizer KMU und Mittelstandsunternehmen unterwegs sind, stösst keine der beiden Plattformen an technische Grenzen. Der Unterschied zeigt sich beim Aufwand dahinter. Bei HubSpot bleibt die Betreuung weitgehend in den Fachbereichen, ergänzt um eine koordinierende Person. Bei Creatio wächst der Betreuungsbedarf mit dem Funktionsumfang: Solange es beim CRM bleibt, genügt eine verantwortliche Rolle. Sobald weitere Fachanwendungen dazukommen, braucht es faktisch ein kleines Team, weil fachliche Prozessverantwortung, Konfiguration und die Disziplin über Entwicklungs-, Test- und Produktivumgebung zusammenkommen müssen. Ob dieses Team intern besteht oder beim Partner liegt, ist eine Kostenfrage, keine Grundsatzfrage.

HubSpot kommt schneller zum ersten nutzbaren Ergebnis, Creatio lässt sich weiter anpassen, ohne dass dafür programmiert werden muss.

Der Wartungsaufwand unterscheidet sich weniger zwischen den Plattformen als zwischen den Betriebsmodellen. Wer in der Cloud arbeitet, hat bei beiden wenig damit zu tun; wer selbst betreibt, übernimmt eine eigene Aufgabe.

HubSpot kennt keine Versionen im klassischen Sinn. Wartung, Betrieb und Weiterentwicklung sind vollständig im Lizenzpreis enthalten. Neue Funktionen erscheinen laufend und stehen ohne Zusatzkosten und ohne Aktualisierungsprojekt zur Verfügung; die grösseren Sprünge bündelt HubSpot zweimal jährlich. Was 2026 dazugekommen ist, etwa KI-Agenten mit Abrechnung nach Ergebnis, die Erstellung von Abläufen per Beschreibung, der Arbeitsbereich für den Vertrieb oder die Werkzeuge für Sichtbarkeit in KI-Assistenten, mussten bestehende Kunden weder beantragen noch einführen lassen. Es gibt keine Wartungsfenster und keine Lizenzneuanforderung. Was bleibt, ist fachliche Pflege: Datenqualität sichern, verwaiste Abläufe aufräumen, Berechtigungen aktuell halten und bei eigenen Oberflächenerweiterungen die Schnittstellen im Blick behalten.

Fairerweise gilt derselbe Grundsatz für Creatio in der Cloud: Auch dort sind Aktualisierung und Weiterentwicklung Bestandteil des Abonnements und laufen automatisch.

Creatio in der Cloud aktualisiert ebenfalls automatisch. Creatio sichert dabei Rückwärtskompatibilität für öffentliche Schnittstellen und Datenmodelle zu, sodass Anpassungen aus Assistenten und Designern erhalten bleiben. Ein Punkt bleibt aber bei Ihnen, und zwar unabhängig davon, ob Sie in der Cloud oder im eigenen Haus betreiben: Was Sie selbst gebaut haben, etwa eigene Prozesse, eigene Datenstrukturen oder eigene Oberflächenkomponenten, prüft Creatio nach einem Update nicht. Treten dort Fehler auf, verweist der Anbieter an denjenigen, der es entwickelt hat, also an Ihr Team oder Ihren Partner. Je individueller Ihre Lösung, desto mehr gehört diese Nachprüfung in die Jahresplanung.

Creatio im eigenen Rechenzentrum ist eine andere Grössenordnung, weil Sie damit die Rolle des Betreibers übernehmen. Konkret heisst das:

Beide Anbieter veröffentlichen Listenpreise, und in beiden Fällen ist der Listenpreis nicht die Rechnung. Betrachtet werden hier die Ausbaustufen ab Professional, weil darunter der Funktionsumfang für die beschriebenen Anwendungsfälle nicht ausreicht.

Die folgenden Angaben sind Brutto-Listenpreise der Anbieter und dienen der Orientierung. Sie enthalten keine Rabatte, keine Mehrjahreskonditionen, keine Einführungskosten und keine Betriebsaufwände. Ein Vergleich Ihrer tatsächlichen Kosten entsteht erst über eine Kalkulation auf Ihren Anwendungsfall.

Die Einheiten heissen ähnlich, funktionieren aber unterschiedlich, und das ist für die Budgetplanung der entscheidende Punkt.

Creatio zählt jeden einzelnen Aufruf des Sprachmodells als AI Action. Braucht ein Agent für eine Aufgabe mehrere Schritte, etwa Daten holen, zusammenfassen und eine Antwort formulieren, zählt jeder dieser Schritte separat. Eine einzige Kundenanfrage kann so mehrere Aktionen verbrauchen. Gezählt wird der Aufwand, unabhängig davon, ob am Ende ein brauchbares Ergebnis steht.

HubSpot zählt bei den Agenten das Ergebnis. Eine gelöste Kundenanfrage kostet 50 Einheiten, unabhängig davon, wie viele Schritte der Agent dafür gebraucht hat. Übergibt er den Fall an eine Mitarbeiterin, entstehen keine Kosten.

Für die Praxis heisst das: Bei Creatio hängt der Verbrauch davon ab, wie komplex Ihre Abläufe gebaut sind. Bei HubSpot hängt er davon ab, wie oft die KI erfolgreich ist. Vergleichen lässt sich deshalb nur, was ein konkreter Anwendungsfall pro Monat kostet, nicht die Grösse des Kontingents.

Bei beiden Plattformen entscheidet nicht der Einstiegspreis über die Kosten, sondern das Nutzungsprofil. Vier Grössen bestimmen die tatsächliche Rechnung, und keine davon steht auf einer Preisseite.

Die belastbare Vorgehensweise ist deshalb immer dieselbe: Lassen Sie beide Anbieter auf Ihren konkreten Anwendungsfall rechnen, mit Ihren Rollen, Ihren Mengen und Ihren Wachstumsannahmen, und zwar über drei Jahre und inklusive Einführung und Betrieb. Verlangen Sie dabei die Detailrechnung, nicht die Paketübersicht. Wer Einstiegspreise vergleicht, vergleicht die einzige Zahl, die für die eigene Situation nichts aussagt.

Keine der beiden Plattformen bietet standardmässig Datenhaltung in der Schweiz. Der praktische Unterschied liegt in den Betriebsoptionen.

Bei HubSpot liegen Ihre Daten automatisch in Europa. Wer sich aus der Schweiz oder einem anderen europäischen Land registriert, wird beim Vertragsabschluss dem Rechenzentrum in Frankfurt zugewiesen. Es braucht dafür keine Zusatzoption und keinen Antrag.

Für Schweizer Unternehmen ist dabei ein Punkt entscheidend: Die europäische DSGVO gilt als der strengste Datenschutzstandard weltweit und geht in mehreren Bereichen weiter als das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz. HubSpot ist auf diesen Massstab ausgelegt und bringt die entsprechenden Werkzeuge mit, etwa Einwilligungsverwaltung, Cookie-Banner, die Dokumentation der Rechtsgrundlage je Kontakt sowie Auskunfts- und Löschfunktionen. Wer die strengere Vorgabe erfüllt, erfüllt die Schweizer Anforderungen ebenfalls.

Creatio bietet Cloud-Betrieb auf AWS und Azure mit Rechenzentren unter anderem in Frankfurt, Grossbritannien, Irland und den Niederlanden, zusätzlich Managed Private Cloud über Partner sowie vollständigen On-Premise-Betrieb. Auch Creatio.ai lässt sich on-site betreiben und mit selbst gehosteten Sprachmodellen verbinden.

Für Schweizer Unternehmen mit erhöhten Anforderungen aus revDSG, Branchenregulierung oder Kundenverträgen ist das ein echtes Entscheidungskriterium: Wo Datenhoheit und Betriebsort vertraglich zugesichert werden müssen, hat Creatio die grössere Bandbreite. Wo Standard-EU-Hosting genügt, ist der Unterschied gering.

Zur Einordnung: Einen Gesamtvergleich für CRM gibt es bei Gartner nicht. Das Analysehaus zerlegt den Markt in Teilsegmente und bewertet Anbieter je Segment getrennt, etwa für Marketingautomation, Vertriebssoftware und Service-CRM. Innerhalb jedes Segments erfolgt die Einordnung in vier Felder, wobei Leader sowohl bei der Produktvision als auch bei der Umsetzung im Markt überzeugen. In der Marketingautomation sind beide Anbieter als Leader eingestuft. Die Bewertung für Vertriebssoftware ist hier nicht aufgeführt, weil dieser Quadrant auf Anforderungen grosser Konzerne ausgerichtet ist, etwa Gebietsplanung und Vergütungssteuerung, und für KMU und Mittelstand wenig aussagt.

Die folgenden Punkte sind als Selbsttest gedacht. Je mehr Aussagen einer Seite auf Ihre Situation zutreffen, desto klarer die Richtung.

Die Entscheidung zwischen HubSpot und Creatio ist keine Featurefrage, sondern eine Architekturfrage.

HubSpot senkt die Schwelle zur Anpassung, Creatio erhöht die Reichweite der Anpassung. Bei der Skalierung lohnt es sich, drei Achsen getrennt zu betrachten, weil sie unterschiedlich ausfallen:

Für Unternehmen, deren Eigenheiten sich in Feldern, Pipelines und Kampagnenlogik ausdrücken, ist HubSpot die schnellere Antwort. Für Unternehmen, deren Eigenheiten im Datenmodell und in mehrstufigen operativen Prozessen liegen, ist Creatio die tragfähigere.

Der verlässlichste Weg zur Entscheidung führt nicht über Vergleichstabellen, sondern über zwei bis drei konkrete Anwendungsfälle aus Ihrem Geschäft, die Sie in beiden Systemen testweise durchspielen. Alles andere ist Preislistenvergleich.