In unseren Beratungsprojekten erleben wir es regelmässig: Sobald ein Prozess vom HubSpot-Standard abweicht, taucht im Raum die Frage auf, ob man damit nicht "die Plattform verlässt". Die Sorge ist berechtigt. Eigenentwicklungen rund um SaaS-Plattformen haben in vielen Unternehmen Spuren hinterlassen, von hohen Wartungskosten bis zu blockierten Updates.
Genau deshalb ist es wichtig, Custom Cards einzuordnen: Sie sind keine Eigenentwicklung neben HubSpot, sondern eine standardkonforme Erweiterung innerhalb der Plattform.
Custom Cards (technisch korrekt: App Cards, gebaut über HubSpot UI Extensions) sind massgeschneiderte Bedienoberflächen, die direkt dort erscheinen, wo Ihre Mitarbeitenden täglich arbeiten: auf der Kunden- oder Deal-Ansicht und im Service-Bereich von HubSpot. Sie zeigen genau die Informationen und Aktionen an, die für einen bestimmten Prozess gebraucht werden.
Wir sprechen in diesem Artikel bewusst von privaten Custom Cards, also solchen, die ausschliesslich in Ihrem HubSpot-Account laufen – der Regelfall für interne Unternehmenslösungen und in den allermeisten Fällen vollständig ausreichend. Öffentliche Cards für den HubSpot Marketplace sind eine andere Kategorie mit zusätzlichen Anforderungen (etwa Mandantenfähigkeit, häufig auch Komponenten ausserhalb von HubSpot) und hier nicht das Thema.
Nicht für jeden Prozess. Aber für jene, bei denen der HubSpot-Standard mehr Klicks, Tabs und Erklärung erfordert, als dem Tagesgeschäft guttut. Drei typische Auslöser aus unseren Projekten:
In allen drei Fällen ist die Custom Card kein Schönheits-Eingriff, sondern eine messbare Effizienz-Investition. Mitarbeitende werden schneller produktiv, Fehlerquoten sinken, das Onboarding verkürzt sich.
Es geht nicht um Standard oder Custom. Es geht um: Standard, wie ihn alle bekommen, oder Standard, wie ihn Ihr Unternehmen braucht.
Beides sind sichere Wege. Der HubSpot-Standard ist schnell verfügbar, aber für alle Unternehmen gleich. Eine Custom Card passt den Standard an Ihre Prozesse an und bleibt dabei vollständig Teil der HubSpot-Plattform: Updates, Sicherheit und Support funktionieren weiter wie gewohnt.
Was Custom Cards nicht sind: eine Eigenentwicklung ausserhalb von HubSpot. Genau das ist die Variante, vor der Geschäftsleitungen zu Recht Respekt haben, und genau diese Variante vermeiden wir.
Hier liegt der Punkt, der für die Geschäftsleitung zählt. Bei Eigenentwicklungen ausserhalb einer Plattform bedeutet jeder Plattform-Release ein potenzielles Risiko: Schnittstellen ändern sich, Integrationen brechen, Kompatibilität muss aktiv geprüft werden.
Bei Custom Cards funktioniert das anders, aus drei Gründen:
HubSpot-Releases brechen Custom Cards nicht. Sie nutzen die offiziellen, dokumentierten Erweiterungspunkte der Plattform. HubSpot pflegt diese aktiv weiter und garantiert deren Stabilität über das offizielle Developer-Programm.
Die App ist versioniert und nachvollziehbar. Jede Änderung ist in der Code-Versionierung dokumentiert. Eine neue Version der Card wird sauber deployed, ältere Versionen können bei Bedarf zurückgerollt werden.
Die Wartungskosten sind planbar und gering. In der Regel reicht ein jährliches Review, um SDK-Updates und kleinere Anpassungen einzuspielen. Eine "Wartungsdauerbaustelle" wie bei klassischen Eigenentwicklungen entsteht nicht.
Ehrlich gesagt: Custom Cards sind kein Allheilmittel. Drei Punkte gehören in jede Entscheidung mit hinein:
Wer Custom Cards mit "wir verlassen den Standard" gleichsetzt, vergleicht zwei unterschiedliche Dinge. Die richtige Gegenüberstellung lautet: HubSpot-Standard für alle versus Standard, der präzise auf Ihre Prozesse zugeschnitten ist. Beides bleibt innerhalb von HubSpot, beides nutzt die offizielle Plattform-Infrastruktur, beides wird identisch gewartet.
Die wichtigste Frage bei der Wahl einer Marketing-Plattform lautet nicht "Welches System bietet die meisten Funktionen?", sondern "Mit welchem System kann unser Team in den nächsten drei Jahren tatsächlich Wert schöpfen – und zwar konsistent, datenbasiert und KI-unterstützt?"